Zwei Denkmäler für Kaiser Karl den Großen – Juryentscheidung zur künstlerischen Gestaltung an Dom und Kaiserpfalz | 06.02.2026
Eine fachkundig besetzte Jury hat entschieden, zwei künstlerische Entwürfe zur Erinnerung an Kaiser Karl den Großen im öffentlichen Raum zu realisieren. Damit wird ein bedeutendes Kapitel der Paderborner und europäischen Geschichte sichtbar und zeitgemäß interpretiert.
Aus insgesamt sechs eingereichten Entwürfen wählte die Jury einstimmig zwei Arbeiten aus: einen plastischen Entwurf des Künstlers Thomas Duttenhoefer (Speyer) sowie eine Lichtinstallation des international renommierten Lichtkünstlers Mischa Kuball (Düsseldorf). Ursprünglich war die Umsetzung eines einzelnen Denkmals vorgesehen; die Jury kam jedoch überein, dass beide Arbeiten in überzeugender Weise unterschiedliche Zugänge zur historischen Bedeutung Kaiser Karls eröffnen und sich gegenseitig ergänzen.
In enger Abstimmung mit dem Metropolitankapitel wurde als Standort für das plastische Denkmal die Nordseite der rekonstruierten Kaiserpfalz festgelegt. Von dort aus eröffnet sich ein eindrucksvoller Blick auf das Ensemble aus Pader, Dom und Pfalz. Der Entwurf von Thomas Duttenhoefer greift die historisch bedeutsame Begegnung Kaiser Karls des Großen mit Papst Leo III. im Jahr 799 in Paderborn auf. Zwei einander zugewandte Bronzefiguren – später etwa zwei Meter hoch – nähern sich mit offenen Armen. In die Bodenplatte sollen unter anderem Zitate, der Grundriss der karolingischen Basilika sowie die Jahreszahl 799 eingraviert werden. Das Motiv der Annäherung setzt bewusst ein Zeichen für Dialog, Verständigung und Zusammenhalt.
Der zweite ausgewählte Entwurf ist eine Lichtinstallation von Mischa Kuball, die an der Südseite der Kaiserpfalz im Bereich der Karolingischen Aula realisiert werden soll. Der lateinische Leuchtschriftzug „absentia mea praesentia tua est“ („Meine Abwesenheit ist deine Gegenwart“) verweist auf die bis heute wirksame historische und geistige Prägung durch Kaiser Karl. Ergänzt wird die Installation durch den deutschsprachigen Schriftzug „Meine Absenz ist Eure Präsenz“, der in den Boden eingelassen wird und aus der Vogelperspektive sichtbar ist.
Die Jury, der unter anderem Dompropst Joachim Göbel, Prof. Dr. Dr. Thomas Sternberg (Präsident der Kunststiftung NRW), Dr. Holger Kempkens (Direktor Diözesanmuseum) und Prof. Dr. Christoph Stiegemann sowie weitere ausgewiesene Fachleute aus Kunst, Kirche und Kultur angehörten, zeigte sich sehr überzeugt von der Entscheidung. Der Verein Kaiser Karls Freunde, der sich seit Jahren für einen würdigen Erinnerungsort engagiert, strebt eine Realisierung im Jubiläumsjahr 2027 an.
Die Juryentscheidung steht nun unter dem Vorbehalt der Bestätigung durch das Metropolitankapitel; zudem werden die politischen Gremien in den weiteren Prozess eingebunden.
Interessierte haben die Möglichkeit, alle sechs Entwürfe noch bis zum 8. März im Foyer des Diözesanmuseums zu besichtigen.