Die Glocken des Paderborner Doms

In Kürze finden Sie hier eine ausführliche Präsentation der Glocken des Paderborner Doms.

 

Läuteordnung für die Festlichkeiten 2018

zum 950. Weihejubiläum des Imad-Domes (22.07. bis 23.07.2018)
sowie für die Libori-Festwoche (28.07.bis 05.08.2018)

Das restaurierte und erweiterte Geläute des Hohen Domes zu Paderborn bietet zahlreiche Möglichkeiten, zum jeweiligen liturgischen Anlass passende unterschiedliche Glockenmelodien zu läuten. Davon wird demnächst auch in der ab ca. Mitte September 2018 geltenden Läuteordnung umfangreich Gebrauch gemacht. Die nachfolgende Läuteordnung für die Feier des 950. Weihejubiläums des Imad-Domes und für die Libori-Festwoche beschränkt sich bewusst auf wenige Kombinationen und sieht wesentlich häufiger als allgemein üblich den Gebrauch des Plenums und täglich das Läuten der neuen großen Domglocke „Jesus Christus – unser Friede“ vor, damit möglichst viele Besucher des diesjährigen Liborifestes die Gelegenheit haben, beides zu hören.

Sehen Sie hier die vollständige Läuteordnung für das Domjubiläum und für Libori 2018 (PDF)

 

Das Geläut des Paderborner Doms

Das Geläut des Paderborner Doms besteht derzeit aus sechs Gussstahlglocken im Hauptturm, die 1951 vom Bochumer Verein für Gußstahlfabrikation gegossen wurden, und zwei Zinnbronzeglocken im Dachreiter, die 1984 von der Glockengießerei Petit & Gebrüder Edelbrock gefertigt wurden.

Dem Geläut im Hauptturm kommt besonderer Denkmalwert zu, denn es handelt sich bei ihm um das erste europäische Domgeläut aus Gussstahl. Zudem war es dem damaligen Paderborner Erzbischof Lorenz Jaeger ein besonderes Anliegen, die Glocken vom Bochumer Verein gießen zu lassen, lag dieser doch zu jener Zeit noch auf dem Gebiet des Erzbistums Paderborn. Die gesamte läutetechnische Anlage ist bis heute weitgehend unverändert erhalten.

Das Metropolitankapitel hat beschlossen, das vorhandene Geläut - wie von Experten vorgeschlagen - musikalisch zu optimieren. Im Zuge der laufenden Restaurierungsarbeiten wird es um zwei weitere Glocken ergänzt: Um die neue kleine Domglocke Maria – Trösterin der Betrübten (Ton gis‘ / Durchmesser 1100,5 mm / Gewicht 1.008 kg) als „Klangkrone” und die neue große Domglocke Jesus Christus – unser Friede (Ton e / Durchmesser 2677 mm / Gewicht 13.520 kg) als „Klangteppich”.

Diese neue Bass-Glocke wird das Geläute des Paderborner Domes als Mutterkirche unseres Erzbistums ihrer Bedeutung entsprechend vervollständigen, aber auch das klangliche Fundament aller anderen Paderborner Glocken bilden. So „antwortet” sie beispielsweise auf die Geläute der Abdinghofkirche und von St. Heinrich.
Eine so tiefe Glocke ist auch als Einzelinstrument überaus beeindruckend. Sie wird die Herzen ihrer Hörerinnen und Hörer berühren, welcher Herkunft und Religionszugehörigkeit
sie auch sein mögen, und dadurch eine Verbindung zwischen den Menschen schaffen.

Die Idee, eine solch große Glocke im Dom aufzuhängen, ist alt. Schon 1927 gab es beim Neuguss des Domgeläutes nach dem Ersten Weltkrieg entsprechende Planungen. Von großem Vorteil ist, dass der vorhandene Glockenstuhl bereits statisch für das Gewicht der neuen Glocken ausgelegt ist.

Am 21. Juli 2018, dem Vorabend des 950. Jubiläumstages der Weihe des Imad-Doms, sollen die neuen Glocken erstmalig erklingen.

 

Das Domgeläute im Überblick

 

Glocke Nr. 1 2 3 4 5
Patrozinium Jesus Christus - unser Friede Liborius Regina Pacis Johannes Kilian und Sturmius
Ort Westturm Westturm Westturm Westturm Westturm
Gussdatum 23.11.2017 Juni 1951 1951 1951 1951
Gießer Eijsbouts Asten (NL) Bochumer Verein Bochumer Verein Bochumer Verein Bochumer Verein
Gussnummer   3490 3451 3286 3275
Material Zinnbronze Gussstahl Gussstahl Gussstahl Gussstahl
Konstruktion   V7h V7h V7h V7h
Durchmesser mm 2677 2361 1981 1789 1597
Gewicht kg 13.520 4740 2590 2320 1600
Schlagton e-3 fis-3 a=0 h-0,5 cis'-2
Durterzschlagton gis-1        
Tritonusschlagton     es'-5 f'-1  
Abklingdauer Unteroktave (Sek.)   125 136 118 94
Armatur überschweres Eichenholzjoch Stahljoch genietet Stahljoch genietet Stahljoch genietet Stahljoch genietet

 

Glocke Nr. 6 7 8 9 10
Patrozinium Meinolph Heinrich Maria - Trösterin der Betrübten  (Maria)  (Martha)
Ort Westturm Westturm Westturm Chorturm Chorturm
Gussdatum 1951 1951 09.02.2018 16.03.1984 16.03.1984
Gießer Bochumer Verein Bochumer Verein Eijsbouts Asten (NL) Petit & Edelbrock Petit & Edelbrock
Gussnummer 3357 3364      
Material Gussstahl Gussstahl Zinnbronze Zinnbronze Zinnbronze
Konstruktion V7h V7h      
Durchmesser mm 1350 1182 1100,5 581 480
Gewicht kg 959 640 1008 ca. 120 ca. 80
Schlagton e'-1 fis'-1,5 gis'=0 e''+1 a''=0
Durterzschlagton          
Tritonusschlagton          
Abklingdauer Unteroktave (Sek.) 53 67   43 39
Armatur Stahljoch genietet Stahljoch genietet schweres Eichenholzjoch Holzjoch (Kambala) Holzjoch (Kambala)

 

Beschreibung der neuen Glocken

Das Gestaltungskonzept der beiden neuen Domglocken nimmt bewusst die Vorgaben der Glockenzier von 1951 wieder auf. Daher wird auf eine umfangreiche bildliche Zier verzichtet. Den Dekor der Glocken bilden stattdessen die jeweiligen Inschriftenbänder an der Glockenschulter sowie über dem Wolm und der Schärfe. Diese wurden von dem durch seine zahlreichen kalligraphischen Arbeiten bekannten Künstler Brody Neuenschwander gestaltet, der 2016 bereits die Heiligen Pforten zum Jubiläumsjahr der Barmherzigkeit am Hohen Dom in Paderborn und an der Wallfahrtsbasilika in Werl schuf. Weitere dezente Reliefs auf den Glocken beziehen sich auf deren Patronate und erinnern an die aktuellen pastoralen Schwerpunkte des Erzbistums. Die Marienglocke verweist durch die Abbildung der Imad-Madonna außerdem auf den Paderborner Bischof, auf den das 950. Weihejubiläum der Domkirche zurückgeht.

 

1. Die große Glocke: Jesus Christus – unser Friede

In der zweizeiligen Schulterinschrift (oberer Glockenrand) „spricht“ Jesus Christus durch Worte aus der Bibel (Joh 20, 19b.21.22b):

+ JESUS CHRISTUS + UNSER FRIEDE + FRIEDE SEI MIT EUCH + WIE MICH DER (zweite Zeile) VATER GESANDT HAT + SO SENDE ICH EUCH + EMPFANGT DEN HEILIGEN GEIST +

In der zweizeiligen Inschrift über dem Wolm (untere Mitte der Glocke) betet die Kirche von Paderborn – beginnend mit dem Wahlspruch des Erzbischofs (Lk 5,5) – in den Anliegen der Zeit:

+ AUF DEIN WORT HIN (Wappen des Erzbischofs) HERR + LASS UNS ALS KIRCHE VON PADERBORN + DEIN LOB SINGEN + DEINE BOTSCHAFT DER GERECHTIGKEIT UND DES FRIEDENS BEZEUGEN + DEN ARMEN UND UNTER (zweite Zeile) DRÜCKTEN BEISTEHEN + DIE SCHÖPFUNG BEWAHREN + DIE EINHEIT DEINER KIRCHE FÖRDERN + & IN DER KRAFT DEINER LIEBE ALLEN STREIT ZWISCHEN VÖLKERN & RELIGIONEN ÜBERWINDEN

In der zweizeiligen Inschrift über der Schärfe (ganz unten) „spricht“ die Glocke selbst und erinnert an den Friedensbund zwischen Le Mans und Paderborn:

(Signatur des Künstlers Brody Neuenschwander) GEGOSSEN VON EIJSBOUTS AM 23. NOVEMBER 2017 LÄUTE ICH ZU EHREN UNSERES ERLÖSERS JESUS CHRISTUS + ERBITTE GEMEINSAM MIT MEINEN NEUN SCHWESTERN DER WELT DEN FRIEDEN & EUROPA DIE EINIGKEIT + & ERINNERE AN DIE 950. (zweite Zeile) WIEDERKEHR DES WEIHETAGES UNSERES DOMES AM 22. JULI 2018 + ALS FRANZISKUS PAPST UND BISCHOF VON ROM, HANS-JOSEF BECKER ERZBISCHOF VON PADERBORN, YVES LE SAUX BISCHOF VON LE MANS & JOACHIM GÖBEL DOMPROPST WAREN +

Auf die Vorderseite der Glockenflanke aufgegossen ist ein Relief des auferstandenen Christus, das die Motive des Weizenkorns, das zu neuem Leben erwacht (Joh 12,24), und des wiederkehrenden Christus (Kolosserbrief 1,12-20) miteinander verbindet. Die Rückseite zeigt das kolorierte Symbolkreuz des Zukunftsbildes für das Erzbistum Paderborn und erinnert so an die aktuellen pastoralen Schwerpunkte der Kirche von Paderborn. Als Weihekreuz über der Schärfe ist – wie bei allen neuen Glocken des Erzbistums Paderborn – in die vier Himmelsrichtungen die so genannte Kreuzfibel aus dem 8. Jahrhundert als ältestes christliches Symbol der Kirche von Paderborn aufgegossen.

 

2. Die kleine Glocke: Maria – Trösterin der Betrübten

Die einzeilige Schulterinschrift (oberer Glockenrand) nennt den Glockennamen und erinnert an den Auftrag Mariens bei der Hochzeit zu Kana (Joh 2, 5b):

+ MARIA + TROESTERIN DER BETRÜBTEN + WAS ER EUCH SAGT + DAS TUT!

Unter diesem Textband sind die drei Marienbilder aufgegossen, die für die Marienverehrung und die Frömmigkeitsgeschichte der Stadt und des Erzbistums Paderborn von herausragender Bedeutung sind: die Imad-Madonna des Domes sowie die beiden Gnadenbilder von Werl und Verne. Auf diese Marienbilder bezieht sich das darunter verlaufende dreizeilige Fürbittgebet:

+ HERR JESUS CHRISTUS + AUF DIE FÜRSPRACHE DEINER UND UNSERER MUTTER MARIA + SCHENKE (zweite Zeile) DEN FAMILIEN FRIEDEN + DEN KRANKEN HEILUNG + ALLEN GEFLÜCHTETEN EINE NEUE HEIMAT UND (dritte Zeile) + VOLLENDE DEREINST AUCH UNSERE IRDISCHE PILGERSCHAFT IM REICH DEINES EWIGEN FRIEDENS

In der Inschrift über der Schärfe – über der sich wie bei der Christus-Friedensglocke die Weihekreuze befinden – „spricht“ die Glocke selbst und erinnert an die tiefe Verbundenheit des Erzbistums Paderborn und seiner Gläubigen mit der Gottesmutter Maria:

+ GEGOSSEN VON EIJSBOUTS AM 9. FEBRUAR 2018 + LÄUTE ICH ZU EHREN DER GOTTESMUTTER MARIA + DEREN BILDNIS BISCHOF IMAD UNSEREM DOM SCHENKTE + DER SICH (zweite Zeile) UNSER ERZBISTUM IN WERL ALS TRÖSTERIN DER BETRÜBTEN ANVERTRAUT HAT + UND DIE VON DEN GLÄUBIGEN DER STADT PADERBORN SEIT 1763 IN VERNE VEREHRT WIRD +

 

Die neuen Glocken werden in den Turm gehoben

Am Dienstag, 29. Mai wurden die beiden neuen Glocken in den Turm gehoben. Ein aufziehendes Gewitter, fehlende Sicht und nur einige Zentimeter Platz, um die große Glocke abzusetzen, haben alle Beteiligten den Tag mit großer Spannung durchleben lassen. Sehen Sie hier das Video:

 

Ausblick

Am Samstag, 21. Juli werden die neuen Glocken zum ersten Mal läuten. Ab 16 Uhr werden alle Glocken einzeln vorgestellt. Um 16.45 Uhr werden sie dann zusammen mit allen Glocken der Stadt den Sonntag einläuten.

 

Finanzierung der Glocken

Die neuen Glocken werden allein aus Spenden finanziert. Daher sind wir für jede kleine oder große Spende dankbar und bitten Sie um Ihre Unterstützung. Falls Sie eine Spendenquittung wünschen, geben Sie bitte Ihre Anschrift bei der Überweisung an.

Kontoinhaber: Metropolitankapitel
IBAN: DE77 4726 0307 0010 9903 00

>> zum Online-Spendenportal

 

 

Das Bildnis des auferstandenen Christus von Brody Neuenschwander auf der großen neuen Domglocke. © Hermann-Josef Dregger

Die neue große Domglocke mit dem farbigen Zukunftskreuz des Erzbistums Paderborn in der Gesamtansicht. © Hermann-Josef Dregger

Das Bildnis der Imad-Madonna auf der kleinen neuen Domglocke. © Hermann-Josef Dregger

Die kleine neue Domglocke in der Gesamtansicht. © Hermann-Josef Dregger

Bischof mit Glocke Erzbischof Becker besprengt die neuen Glocken mit geweihtem Wasser. Durch dieses Zeichen bittet er Gott, die Glocken zu reinigen und sie für ihren Dienst im Dom anzunehmen. © pdp/Ronald Pfaff

Priester und Gläubige unter freiem Himmel Über 1.000 Gläubige waren auf den Domplatz gekommen, um die Weihe der Domglocken mitzuverfolgen. © pdp/Ronald Pfaff

Bischof vor Glocke Erzbischof Hans-Josef Becker inzensiert die neuen Domglocken mit Weihrauch als Ausdruck der festlichen Freude, die mit der Weihe verbunden ist. Zudem soll das Aufsteigen des Weihrauchs das Emporsteigen der Gebete zu Gott symbolisieren. © pdp/Ronald Pfaff

Bischof mit Glocke Auch die kleine Glocke „Maria – Trösterin der Betrübten“ wird von Erzbischof Becker für ihren zukünftigen Dienst mit Weihrauch inzensiert. © pdp/Ronald Pfaff