Erzbischof Becker ruft zum Beten auf: Wer betet, sieht weiter! | 31.07.2022

Libori-Sonntag: Pontifikalamt mit Erzbischof Becker, Prozession durch die Innenstadt sowie Empfang des Paderborner Erzbischofs

Paderborn (pdp). Erzbischof Hans-Josef Becker betonte in seiner Predigt im Pontifikalamt am Sonntag des Libori-Festes, 24. Juli 2022, die für Christen existentielle Bedeutung der Glaubenspraxis und des Betens. Beim Libori-Fest 2022 könne auf eine Glaubenspraxis geschaut werden, „die sich bewährt hat in den schlimmsten Zeiten unserer Geschichte“, unterstrich der Paderborner Erzbischof. Er feierte die Heilige Messe zum Hochfest des heiligen Liborius – Patron von Erzbistum, Dom und Stadt Paderborn – in Konzelebration mit Bischöfen aus der Weltkirche und aus Paderborn sowie mit zahlreichen Gläubigen im Hohen Dom zu Paderborn. Nach dem Festgottesdienst wurden das Allerheiligste und der vergoldete Schrein mit den Reliquien des heiligen Liborius in einer Prozession durch die Innenstadt getragen. Beim Empfang des Paderborner Erzbischofs für geladene Gäste aus Kirche, Gesellschaft, Politik und Kultur im Bildungs- und Tagungshaus Liborianum unterstrich Erzbischof Becker die Bedeutung gelebter Solidarität – sie lasse aufatmen und schenke Hoffnung. Durch die Live-Übertragung in Bild und Ton konnten Interessierte weltweit den Gottesdienst mitfeiern.

Das Libori-Fest rege zum Beten an und führe Betende zusammen, zeigte sich Erzbischof Becker in seiner Predigt überzeugt. „Das Libori-Fest vertraut auf die Fürsprache des heiligen Liborius in den Sorgen und Nöten des Erzbistums Paderborn und natürlich auch in den Sorgen und Nöten der einzelnen Betenden.“ Das Gebet weite den Horizont des Betenden: „Wer betet, sieht weiter, über sich selbst hinaus.“ Ein Beter könne erkennen, dass der Mensch nicht Techniker und Macher des Daseins sei. „Das Leben geht weit über das hinaus, was wir planen und ins Werk setzen. Wir leben nicht nur vom Markt und vom Geschäft. Wir leben von Vertrauen, von Hoffnung und von Liebe.“

Beziehungsgeschehen zwischen Gott und Mensch
Das Beten ersetze allerdings nicht das eigene Tun, führte Erzbischof Becker weiter aus. „Wer Gott glaubt, wer sein Wort hört und darauf antwortet, wird nicht weniger Mensch, sondern mehr Mensch.“ Glaube und Vernunft, Gebet und Freiheit seien spannungsvoll aufeinander bezogen, würden sich nicht ausschließen. „Das Beten ist ein Beziehungsgeschehen. Ob Anbetung oder Bitte, ob Lob oder Klage oder Schweigen – immer geht es im Gebet um Ausdruck und Einübung einer lebendigen Beziehung zwischen Gott und dem Menschen“, unterstrich Erzbischof Becker zum Abschluss seiner Predigt.

Christus und Liborius in die Welt hineintragen
Nach dem Pontifikalamt im Dom bildete sich die Sakraments- und Reliquien-Prozession, bei der das Allerheiligste in einer Monstranz und die Reliquien des heiligen Liborius im vergoldeten Schrein durch die Innenstadt getragen wurden. Die Gläubigen begleiteten „ihren“ Bistumspatron durch die Straßen, vorbei an Besuchern des Pott-Markts und an Menschen, die den Sonntagvormittag in den Cafés verbrachten. Dem von den Schreinträgern der Libori-Bruderschaft geschulterten Schrein wurde ein Fächer aus Pfauenfedern vorangetragen – dieser erinnert an den Pfau, der laut Überlieferung der Prozession vorangeflogen sein soll, in der im Jahr 836 die Reliquien des heiligen Liborius von Le Mans nach Paderborn überführt wurden.
Vor dem Paderborner Rathaus spendete Weihbischof Josef Holtkotte mit dem Allerheiligsten den sakramentalen Segen. Anschließend führte die Prozession zurück in die Paderborner Bischofskirche, wo der Reliquienschrein wieder im Hochchor aufgestellt wurde.

Empfang
Im Anschluss an Pontifikalamt und Prozession kamen geladene Gäste aus Kirche, Gesellschaft, Politik und Kultur im Bildungs- und Tagungshaus Liborianum zusammen. „Das Leben aus dem Glauben trägt mit dazu bei, dass Leben gelingen kann, auch in schwierigen Zeiten. Der Glaube an Gott führt Menschen zusammen und lässt Gemeinschaft entstehen“, betonte Erzbischof Becker in seiner Ansprache. Grenzen des Machbaren, des Kontrollieren-Könnens seien aktuell vielfältig zu erfahren, führte Erzbischof Becker weiter aus und erinnerte an die Erfahrungen der Corona-Pandemie, Klimawandel, Terror, Gewalt und Krieg an verschiedenen Krisenherden der Welt.
Im Blick auf das Libori-Leitwort erklärte der Paderborner Erzbischof, „aufatmen“ sei möglich, wenn Menschen solidarisch seien, sich gegenseitig helfen, unterstützen und füreinander einstehen. Es sei bedeutsam, Dinge nicht laufen oder liegen zu lassen, vielmehr beherzt einander zur Hand zu gehen, anzupacken, einander Mut zu machen und zu stärken.

Dass der Apostolische Exarch für die ukrainischen griechisch-katholischen Christen in Deutschland zum Libori-Fest komme, setze ein Zeichen der Verbundenheit mit den Menschen in der Ukraine und den Ukrainerinnen und Ukrainern, die ihre Heimat aufgrund des Krieges verlassen mussten. Er dankte zudem den Helferinnen und Helfern, die sich in besonderer Weise nach den verheerenden Tornados in Paderborn sehr verdient gemacht und Großes geleistet haben. „Für ihren Einsatz, ihre Hilfe und Solidarität sage ich ihnen stellvertretend ein herzliches Dankeschön und vergelt's Gott“, so Erzbischof Becker zu den eigens geladenen Gästen.

Libori-TV
Im Anschluss an den Festgottesdienst im Dom wurde vom Erzbistum Paderborn im Internet eine neue Folge Libori-TV ausgestrahlt. Die Themen reichten vom Totenkeller unter der Kirche als Hidden Place sowie eine Libori-Umfrage, was Menschen mit dem Fest verbinden, über die Träger des Libori-Schreins, das Libori-Bier bis hin zur Wallfahrt in Werl.

© pdp

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Monsignore Andreas Kurte ist nicht-residierender Domkapitular Pfarrer aus Brakel ist Nachfolger von Pfarrer i. R. Josef Dieste im Paderborner Metropolitankapitel | 31.07.2022 >>