Ein Mut-Macher trotz aller Umbrüche - Verabschiedung von Prälat Alfons Hardt aus dem Amt des Generalvikars | 13.11.2022

Apostolischer Protonotar Alfons Hardt als Generalvikar des Paderborner Erzbischofs verabschiedet

Paderborn (pdp). Am Freitag, 11. November 2022, hat sich der Apostolische Protonotar Alfons Hardt in einer Feierstunde mit seinen früheren Mitarbeitenden des Erzbischöflichen Generalvikariats, einem Vespergottesdienst im Paderborner Dom und einem anschließenden Empfang aus seinem Amt als langjähriger Generalvikar des Paderborner Erzbischofs verabschiedet. Seine ehemaligen Mitarbeitenden ermutigte Prälat Hardt: „Solange wir im Vertrauen auf den Auferstandenen leben, liegen wir zu 100 Prozent richtig.“ Beim Empfang im Schützenhof überraschte der frühere Paderborner Generalvikar in seiner Dankesrede als Dichter. Redner wie Paderborns Bürgermeister Michael Dreier oder Domkapitular Dr. Antonius Hamers als Leiter des Katholischen Büros NRW hatten Prälat Hardt zuvor in Grußworten gewürdigt.

Der Diözesanadministrator Monsignore Dr. Michael Bredeck betonte in seiner Rede beim Empfang, der frühere Generalvikar habe seit 2004 einen „gewaltigen Wandel“ begleitet und sei dabei „Bauherr, Organisationsentwickler, Knotenlöser und Kulturwandler“ gewesen. Er habe Alfons Hardt immer als „nachdenklichen Menschen“ wahrgenommen, so der Diözesanadministrator: „Du hast nicht leichtfertig geredet oder geurteilt. Wenn du dich zu Wort gemeldet hast, war das klar, fundiert und schnörkellos, auch bei herausfordernden Themen.“ Zwar seien Christinnen und Christen auch im Erzbistum Paderborn „auf dem Weg zur Minderheit“, erläuterte Msgr. Dr. Bredeck: „Vielleicht stoßen wir auf diesem Weg immer mehr zum Kern dessen vor, was uns zusammenhält und ausmacht.“ Alfons Hardt habe gezeigt, „dass wir dafür immer wieder den sicheren Hafen verlassen und in die Weite segeln müssen.“

Von kritisch-konstruktiv bis kenntnisreich

Im Namen aller Paderbornerinnen und Paderborner übertrachte Bürgermeister Michael Dreier seinen Dank dafür, „dass wir mit Alfons Hardt an unserer Seite gehen durften und uns immer auf ihn verlassen konnten“. Dreier schloss den ausdrücklichen Dank der Schausteller und Schützen ein. Einen Videogruß schickte Dr. Matthias Meyer als Leiter der Geschäftsstelle des Verbands der Diözesen Deutschlands (VDD), in dessen Gremien sich Alfons Hardt lange Jahre engagiert hat. Verlässlich, kenntnisreich, kritisch-konstruktiv, pointiert, ehrlich-direkt und humorvoll habe Prälat Hardt „immer das Ganze im Blick“ gehabt. „Es war angenehm, mit Ihnen zusammen zu arbeiten“, lobte Dr. Meyer den Apostolischen Protonotar.

Domkapitular Dr. Antonius Hamers, Leiter des Katholischen Büros NRW, hob hervor, dass Alfons Hardt „niemals nur in kirchlicher Binnenlogik gedacht“ habe: „Du warst in all den Jahren ein Kontinuum, aber niemals ein Bremser. Du hast viele Umbrüche erlebt, aber nie resigniert.“ Ein großes Plus laut Dr. Hamers: Der frühere Paderborner Generalvikar habe konsequent seine Mitarbeitenden eingebunden und ihnen Verantwortung zugetraut. Prälat Thomas Dornseifer, der den Empfang als Ständiger Vertreter des Diözesanadministrators moderierte, brachte den Dienst von Alfons Hardt als Generalvikar auf den Punkt: Er sei für seinen Erzbischof ein kluger Berater gewesen, der ihn ergänzt und ihm den Rücken gestärkt habe – mit „Besonnenheit, Treue und Bescheidenheit“.

Gedichteter Dank

Der auf diese Weise vielfach Gewürdigte antwortete anstelle einer klassischen Dankesrede überraschend mit einer beeindruckenden „Ver-Dichtung“ seiner Amtszeit: Inspiriert von der Ballade „Archibald Douglas“ von Theodor Fontane wandelte Prälat Alfons Hardt deren erste Zeile um: „Ich hab‘ es getragen 18 Jahr‘“. Was folgte, waren persönliche Zeilen in exzellenter, unterhaltsamer und zugleich nachdenklicher Reimform voller aufrichtigem Dank an seine Familie und Freunde, Weggefährten und Mitarbeitende – und nicht zuletzt an seinen Erzbischof: „So war ich doch des Bischofs Knecht, so will es ja das Kirchenrecht“, sagte Alfons Hardt zwar mit augenzwinkernder Ironie – doch nicht ohne nachzuschieben, dass er sich nie als Knecht, sondern immer als mitbrüderlicher Freund auf vertrauensvoller Augenhöhe fühlen durfte. Am Ende seines Vortrags belohnten die Gäste Alfons Hardt mit begeisterten Standing Ovations.

Ohne Resignation in die Zukunft

Bereits am Freitagmittag hatte sich Prälat Hardt von seinen ehemaligen Mitarbeitenden aus dem Generalvikariat verabschiedet. Er danke allen, „die mich in meinem Handeln unterstützt und mich in meinen Grenzen getragen haben“. Wichtig war ihm zum Abschied ein realistischer und doch hoffnungsvoller Blick auf die Situation der Kirche. Die Wirklichkeit richte sich nicht nach Plänen, so Prälat Hardt: „Gott umarmt uns durch die Wirklichkeit. Er begegnet uns in diesen komplexen Situationen. Er mischt seine Kirche auf.“ Allen Unsicherheiten zum Trotz lege das Evangelium Christinnen und Christen Grundhaltungen ans Herz, „die uns helfen können, ohne Angst und Resignation in die Zukunft zu gehen“.

Die Kirche habe viele Baustellen, die „leicht den Blick auf das Ganze verstellen“, räumte der frühere Generalvikar ein: So wichtig die Renovierungsarbeiten an der Kirche seien, so dürfe dabei nicht vergessen werden, „für was oder wen wir arbeiten. Wir haben vielleicht keinen Masterplan. Aber wir haben einen, der unser Meister ist: Jesus Christus“, sagte der frühere Generalvikar zum Abschluss seiner Rede.

Vesper im Dom: Mut zur Aussaat haben

In der Feier der Vesper im Hohen Dom nahm Prälat Alfons Hardt den Dank für seine Amtszeit mit vielen Gläubigen ins Gebet. Domvikar Christian Städter, Spiritual des Erzbischöflichen Priesterseminars, griff in seiner Predigt zwei Impulse zum Gleichnis vom Sämann aus dem Markus-Evangelium auf: Jesus erzähle das Gleichnis für das anbrechende Reich Gottes am Wasser. Das zeige: „Kirche ist berufen, mitten in die stürmische Welt zu segeln“, so der Spiritual. Zudem mache das Gleichnis deutlich, was einen guten Sämann – und damit auch einen guten Generalvikar – auszeichne: Freude über die von Gott geschenkte Saat, Mut zur Aussaat, obwohl nicht alle Samenkörner aufgehen, und die Geduld, Dinge in Gottes Hand zu legen, der wachsen lasse. „Das Reich Gottes ist nicht erst die erzielte Ernte, es beginnt schon mit der Aussaat“, fasste Spiritual Städter zusammen.

Hintergrund

Papst Franziskus hat am 1. Oktober 2022 das Rücktrittsgesuch des Paderborner Erzbischofs Hans-Josef Becker angenommen. Mit dem Ende der Amtszeit eines Diözesanbischofs endet auch die Amtszeit des von ihm ernannten Generalvikars, der als sein Alter Ego die Verwaltung des Erzbistums leitet. Somit ist der Apostolische Protonotar Alfons Hardt mit Wirkung vom 1. Oktober kein Generalvikar mehr. Nach seinem Jura-Studium, das er mit dem Zweitem Staatsexamen abschloss, absolvierte der 1948 in Menden geborene Alfons Hardt ein Studium der Theologie und Philosophie. Im Juni 1961 empfing er die Priesterweihe. 2004 ernannte Erzbischof Hans-Josef Becker ihn zu seinem Generalvikar – ein Amt, das Prälat Alfons Hardt fast 18 Jahre lang an der Seite des emeritierten Paderborner Erzbischofs ausfüllte. Prälat Alfons Hardt bleibt weiterhin Domdechant des Paderborner Metropolitankapitels.

 

© pdp

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