„Strahlendes Fest der Klänge und Lobpreis“ | 18.09.2018

Kirchenmusikalische Festwoche im Hohen Dom: Interview mit Domkapellmeister Thomas Berning

Paderborn, 18. September 2018. Zum Abschluss der Kirchenmusikalischen Festwoche anlässlich des Dom-Jubiläums findet am Freitag, 28. September, um 19.30 Uhr das Festkonzert im Hohen Dom statt. Unter der Leitung von Domkapellmeister Thomas Berning werden Solisten, die Domkantorei, der Paderborner Domchor und das Barockorchester Concerto con anima das Werk von Johann Adolph Hasse „Missa in d“ aufführen.

Die „Missa in d“ wurde zur Einweihung der Dresdner Hofkirche komponiert. Daher lag es nah, das Domjubiläum mit dieser Festmusik zu begehen. Neben den Chören und dem Barockorchester treten als Solisten auf: Ina Siedlaczek (Sopran), Anna Magdalena Rauer (Sopran), Genevieve Tschumi (Alt), Hans Jörg Mammel (Tenor) und Samuel Hasselhorn (Bass).

Domkapellmeister Thomas Berning gibt im Interview interessante Einblicke in das Werk von Hasse und macht neugierig auf das Festkonzert.

Sehr geehrter Herr Berning, das Festkonzert u.a. mit der Missa in D von Johann Adolph Hasse beschließt die kirchenmusikalische Festwoche zum Domjubiläum. Warum fiel die Wahl auf das Werk von Johann Adolph Hasse, dass 1751 zur Einweihung der Dresdner Hofkirche komponiert wurde?

    Berning: Eine solche "Weihemusik" schien mir sehr passend zum Anlass des Domjubiläums, bei dem wir uns auch an die Domweihe vor 950 Jahren erinnern. Ich kannte das Stück lange vorher, wusste aber zunächst nichts von dem Kompositionsanlass. Es ist eine großartige Komposition, die in manchen Details an Bachs große H-Moll-Messe erinnert. Zudem finde ich es immer spannend, dem Publikum neben bekannten Werken, wie in diesem Falle dem Te Deum von Marc Antoine Charpentier, weniger Bekanntes vorzustellen und so Entdeckungen zu ermöglichen.

Charakterisieren Sie bitte kurz den Komponisten. Was macht ihn aus?  

    Berning: Johann Adolf Hasse war seinerzeit ein Star wie Händel. Während sich ein Johann Sebastian Bach im harten Alltag des Leipziger Schul- und Kirchendaseins abmühte, reisten Hasse und Händel durch Europa und feierten glanzvolle Opernerfolge. Noch dazu heiratete Hasse die „Anna Netrebko“ der damaligen Tage, die italienische Primadonna Faustina Bordoni. Das brachte ihm einen echten Glamour-Faktor ein, der dem nach Ruhm strebenden König August (der Starke) am Dresdner Hof gerade recht kam. Er stellte Hasse als Hofkapellmeister ein und hatte damit eine guten  Fang gemacht. Seine Musik ist von barocker Farbenpracht. Glanzvolle Passagen finden sich auch in der Messe. Daneben aber auch innige Arien und sehr emotionale Chorstellen.

Die Aufführung von Beethovens "Missa solemnis"  2015 im Hohen Dom zu Paderborn unter Ihrer Leitung war ein Hörgenuss der Extraklasse. Darf man die Werke von Hasse und Beethoven vergleichen?  

    Berning: Das täte der zu einem konkreten liturgischen Anlass komponierten Messe von Hasse zu kurz. Beethoven hat während der Komposition seiner Missa solemnis irgendwann den Boden des Liturgischen verlassen. Bei Hasse spürt man noch die liturgische Bindung deutlich, vor allem in der nicht übermäßigen Ausdehnung der einzelnen Sätze. Hier steht ein epochales Bekenntniswerk des größten musikalischen Genies neben einer prachtvollen Auftragsarbeit.

Fünf Solistinnen und Solisten, ein Barockorchester sowie Domkantorei und Paderborner Domchor agieren gemeinsam - Worauf darf sich der Zuhörer im Hohen Dom freuen?    

    Berning: Dem Anlass gemäß wird es ein strahlendes Fest der Klänge und ein prachtvoller Lobpreis Gottes als Dank für unsere so schöne Kathedralkirche. Die Solisten sind wieder hochkarätig. Das Orchester „Concerto con anima“ ist an jeder Position erstklassig besetzt. Vor allem die strahlenden Barocktrompeten werden ein selten zu erlebender Hörgenuss im Dom sein. Und der große Chor aus Domchor und Kantorei wird den Dom wieder mit seinen leuchtenden Stimmen füllen. Außerdem dürfen sich die Zuhörer auf eine stilgerechte Interpretation der Eurovisionshymne freuen, die das Prélude zu Charpentiers Te Deum ist - und lernen vielleicht, dass dieses Stück dann noch zwanzig Minuten weiter geht.

Sie, Herr Berning, haben die musikalische Gesamtleitung. Worauf lag in den Proben Ihr besonderes Augenmerk? Gibt es eine besondere Herausforderung bei diesem Werk?  

    Berning: Die Chöre der Dommusik haben in den letzten Jahren an vielen Stellen bewiesen, dass sie zu chorischen Höchstleistungen imstande sind. Dieses Niveau auch bei diesem Konzert zu erreichen, im Zusammenspiel von Domchor und Kantorei, ist mein erstes Ziel. Dazu kommt, dass der große Chor immer noch die Leichtigkeit eines barocken Klangkörpers haben muss. Das erfordert viel Konzentration und  genaue Abstimmung. Daran arbeiten wir jetzt in der Endphase der Vorbereitungen.

Vorverkauf
Wer alle Konzerte auf besten Plätzen erleben will, für den empfiehlt sich die ABO-Karte „beste Plätze in allen Konzerten“ zum Flatrate Preis von 50 Euro. Dieses Abo oder auch nur Einzeltickets gibt es im Ticket-Center Paderborn, Marienplatz 2 a, Tel: 05251 / 299 750.

22. September, 19.30 Uhr: Eröffnungskonzert - Klingender Dom mit Paderborner Chören im illuminierten Dom
22. September, ab 15.30 Uhr: Workshop mit dem Ensemble Sjaella
23. September, 10 Uhr: Kapitelsamt im Hohen Dom mit dem Chor des Domes der Paderborner Partnerstadt Pamplona, Capella de Musica Pamplona.
23. September, 15.30 Uhr: "Himmelsstimmen" mit dem Ensemble Sjaella aus Leipzig
24. September, 19.30 Uhr: Geistlicher Liederabend "Sehet, welche Liebe" mit Klaus Mertens (Bariton) und Domorganist Tobias Aehlig.
25. September, 19.30 Uhr: Szenische Lesung im Dom u.a. mit Ensemblemitgliedern des Theaters Paderborn: Unterwegs mit Schillers "Jungfrau von Orleans"
26. September, 19.30 Uhr: Orgelkonzert "Ansichten eines Domes" mit Improvisationen zu bekannten und verborgenen Domschätzen mit Projektion auf Leinwand.
28. September, 19.30 Uhr: Festkonzert zum Domjubiläum - Johann Adolph Hasse: Missa in d, Marc Antoine Charpentier: Te Deum      

Mann mit Taktstock Domkapellmeister Thomas Berning während der Aufführung der \\\"Missa Solemnis\\\" im Hohen Dom zu Paderborn im Jahr 2015. © pdp / Ronald Pfaff

Mann mit Taktstock Domkapellmeister Thomas Berning. © pdp / Ronald Pfaff

Der Hohe Dom im dreifachen Mittelpunkt | 21.09.2018 >>