„Seelsorge ist wichtiger als Zählsorge“ | 03.08.2018

Lernerfahrungen von Schwester Anna Mirijam Kaschner aus der Diaspora

Paderborn, 3. August 2018. „Was kann die Kirche in Deutschland von der Diaspora im Norden Europas lernen“, mit dieser zentralen Frage beschäftigte sich Schwester Anna Mirijam Kaschner cps in ihrem Glaubenszeugnis bei der Vesper der Ordensleute im Hohen Dom am Mittwoch. Für ihren Beitrag erhielt sie großen Applaus.

Schwester Anna Mirijam Kaschner cps hat ihre Wurzeln in Paderborn. Vor über zwanzig Jahren trat sie der Gemeinschaft der Missionsschwestern vom Kostbaren Blut in Neuenbeken bei. Seit nunmehr 13 Jahren arbeitet sie in Dänemark und ist zur Generalsekretärin der Nordischen Bischofskonferenz (Dänemark, Norwegen, Schweden, Finnland, Island) aufgestiegen.

„Ich habe gelernt, dass Seelsorge wichtiger ist als Zählsorge. Es kommt nicht auf die Anzahl von Gottesdienstbesuchern oder Teilnehmern an Glaubenskursen oder Vorträgen an. Jeder einzelne zählt“, berichtete Sr. Anna Mirijam Kaschner von ihren Erkenntnissen aus der Diaspora. Die geringe Zahl von Katholiken, die über große Entfernungen verteilt seien, mache die seelsorgerische Betreuung extrem schwer. So fahren Priester im Jahr nicht selten zwischen 100.000 und 150.000 Kilometer, um Sakramente zu spenden oder den Kontakt zu Gläubigen zu halten. Eineinhalb, fünf oder gar sieben Autostunden liegen oft zwischen den verschiedenen Einsatzorten.

Andererseits sei aber auch eine Zunahme der Katholikenzahlen zu verzeichnen. Einwanderer, die ein Stück Heimat in der Kirche wieder fänden, und auch Konvertiten  sorgten für den Aufschwung. Hier seien die nordischen Gemeinden der Unterstützung aus Deutschland sehr dankbar, die mit Spenden dafür sorgen, dass Kirchen gebaut, Gebäude instandgehalten und Personal bezahlt werden könnten. Dabei sollte die Feier der Messe aus pastoralen Gründen nicht verkürzt werden: „Gerade die Ausfaltung der Liturgie in all ihrer Schönheit, fasziniert Menschen, begeistert sie und kann sie zu einer Gotteserfahrung führen.“

Als Ordensschwester oder als Priester sichtbar zu sein, bedeute aber auch, sich immer wieder Fragen der Bevölkerung zu stellen. Die Menschen in diesen Ländern seien neugierig und suchten ein Gespräch. Anfragen seien nicht immer leicht zu beantworten, aber sie seien hilfreich und forderten heraus, Worte zu finden, die Menschen verstehen.

Schwester Anna Mirijam: „Ich habe gelernt, dass es wichtig ist, dass wir als Ordensleute in der Diaspora die Aufgabe haben, Gott in dieser Welt sichtbar zu machen. Dazu müssen wir erkennbar und ansprechbar sein. Unser Ordenskleid ist dabei eine große Hilfe, denn es macht offenbar und anschaulich, wer wir sind und wofür wir stehen.“

Schubladen-Bezeichnungen wie „konservativ - progressiv, traditionell – liberal“ passten ihr nicht. „Wenn eine polnische Frau die Mundkommunion praktiziert, ein vietnamesischer Mann mit verschränkten Armen vor der Brust die Kommunion empfängt, oder ein afrikanischer Katholik vor Empfang der Kommunion kurz zweimal in die Hände klatscht, dann sind das keine Verhaltensweisen, die nur auf die kirchenpolitische Einstellung der Menschen hinweisen, sondern oftmals Ausdruck der persönlichen und kulturell geprägten Verehrung der Eucharistie“, so Schwester Anna Mirijam.

Nonne am Ambo Schwester Anna Mirijam Kaschner berichtete vor den Ordensleuten über ihre Erfahrungen in der nördlichen Diaspora Skandinaviens. © pdp / Ronald Pfaff

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