„Die Liebe ist der Weg zum Frieden“ | 29.07.2018

Pontifikalamt, Prozession und Empfang am Libori-Sonntag

Paderborn, 29. Juli 2018. „Während der jährlichen Feier unseres Diözesanpatrons Liborius beten wir täglich mehrmals um den Frieden. Seit einer Woche greift auch die größte Glocke unseres Domes ‚Jesus Christus, unser Friede‘ das Anliegen des Friedens auf“, so Erzbischof Hans-Josef Becker in seiner Predigt im Pontifikalamt am Libori-Sonntag im Hohen Dom zu Paderborn, das er in Konzelebration mit zahlreichen Bischöfen aus der Weltkirche feierte. Nach dem Festgottesdienst wurden das Allerheiligste und der vergoldete Libori-Schrein mit den Reliquien des Bistumspatrons in einer Prozession durch die Stadt getragen. Im Anschluss fand ein Empfang für geladene Gäste im Haus Maria Immaculata statt.

„Liborius ist bei uns angekommen, er ist bei uns integriert”

„In einer Zeit, in der die Aufnahme und Integration von Flüchtlingen in unserem Land zum Gegenstand unversöhnlicher Debatten und politischer Macht werden, in der nationale Egoismen weltweit salonfähig werden und Präsidenten und Staatsoberhäupter lediglich die eigene Nation sehen, in der wirtschaftliche Erwägungen allgemein die Oberhand gewinnen, in der die Bedeutung von Europa immer wieder und tiefer angefragt wird, da scheint es mir gerechtfertigt, den ‚Liebesbund ewiger Bruderschaft‘ hervorzuheben“, sagte Erzbischof Hans-Josef Becker in seiner Festansprache beim Empfang anlässlich des Liborifestes. „Liborius ist bei uns angekommen, er ist bei uns integriert, er ist uns wertvoll, er führt uns zusammen, er eint uns. Liborius hat dies in der Geschichte eindrucksvoll getan und er wirkt auch heute“, so der Paderborner Erzbischof im Hinblick auf die Übertragung der Reliquien des Patrons des Erzbistums, des Hohen Domes und der Stadt Paderborn vor 1.182 Jahren. In diesem historischen Ereignis haben das Liborifest und der „Liebesbund ewiger Bruderschaft“ ihren Grund.

Vertrauen und Zuversicht

Das Leitwort des Liborifestes „behütet und bedacht“ schenke Vertrauen und Zuversicht, sagte Erzbischof Becker weiter beim Empfang für geladene Gäste. Auch die Kirche von Paderborn sei „behütet und bedacht“. Es komme darauf an, in aller Veränderung das Besondere, das Herausgehobene zu bewahren, dass Gott Menschen rufe und sende, von ihm Zeugnis zu geben. Beim Empfang des Erzbistums Paderborn stellten zudem die Herausgeber und Autoren ein neues Buch über den Paderborner Dom vor. Das vom Paderborner Metropolitankapitel herausgegebene Buch „Der Paderborner Dom. Geschichte – Architektur – Ausstattung“ widmet sich der wechselvollen Geschichte des Gotteshauses in einem reich bebilderten Gesamtüberblick. Erzbischof Becker begrüßte beim Empfang auch diejenigen als Ehrengäste, die bei der Vervollständigung des Geläutes des Paderborner Domes durch zwei neue Glocken mitgewirkt haben.

Hat unser Glaube ein Rezept?

Zuvor feierte Erzbischof Hans-Josef Becker das Pontifikalamt am Libori-Sonntag im Hohen Dom zu Paderborn mit zahlreichen Bischöfen aus der Weltkirche. In seiner Predigt ging er dabei ganz besonders auf die Friedens-Thematik ein, der auch das neue Domgeläute gewidmet ist: „‚Jesus Christus, unser Friede‘, so steht es im gegossenen Schriftband auf der großen Domglocke und nimmt so hoffentlich für viele Generationen und Jahrhunderte ein zentrales Anliegen der Menschen ins Gebet.“ Unfriede sei überall dort, wo sich Stärkere rücksichtslos auf Kosten der Schwachen durchsetzen. Viele hätten sich schon damit abgefunden, aber „ist das ein Rezept für einen echten dauerhaften Frieden im täglichen Leben?“, fragte Erzbischof Becker. „Hat unser Glaube ein Rezept? Ja, hat er“, ist die feste Überzeugung von Erzbischof Becker. „Die Wurzel allen Unfriedens liegt in der Entfremdung von Gott, in der Nichtbeachtung seiner Wege und Weisungen, in der Ich-Besessenheit, in der der Mensch selbst Ziel und Weg seines Lebens bestimmen will.“

Liebe ist die reale Möglichkeit des Friedens

Auch die neue große Domglocke mahne: „Wir alle, die wir uns zu Jesus Christus bekennen, die wir uns Christen nennen, stehen im Dienste des Friedens und der Versöhnung“, so Erzbischof Becker. „Es wird in der Welt keinen dauerhaften Frieden geben, wenn - in unserer kleinen und in der großen Welt - nicht die Liebe den Ton angibt. Die Liebe ist der Weg zum Frieden. Sie ist der Schlüssel zur Lösung von Konflikten. Sie ist die reale Möglichkeit des Friedens. Sie beruht auf dem Frieden, den Jesus uns als Versöhnung mit Gott gebracht hat.“

Wann immer jemand für den Mitmenschen da sei, der Zuwendung brauche, wo man ihm zuhöre, ihn zu verstehen suche, ihm das Gefühl vermittele, ernst genommen und anerkannt zu sein, da werde ein wirksamer Beitrag zum Frieden in der Welt geleistet. „Der Name unserer großen Domglocke möge mehr und mehr erkannt werden als tonangebende Grundlage für das Leben aller Menschen guten Willens“, so Erzbischof Becker zum Abschluss seiner Predigt.

Erzbischof Becker feierte das Pontifikalamt in Konzelebration mit zahlreichen bischöflichen Gästen aus der Weltkirche. Nach dem Festgottesdienst wurden das Allerheiligste und der vergoldete Schrein mit den Reliquien des heiligen Liborius in einer Prozession, die von zahlreichen Gläubigen begleitet wurde, durch die Paderborner Innenstadt getragen. Weihbischof Dr. Dominicus Meier OSB spendete bei der Prozession am Paderborner Rathaus den sakramentalen Segen. Er betete: „Segne und beschütze deine Kirche und erhalte sie im Glauben. Reichen Segen schenke unserer Stadt und all ihren Bewohnern. Schenke der ganzen Erde deinen Frieden.“

Musikalisch gestalteten Domchor, Domkantorei, Solisten und Orchester unter der Gesamtleitung von Domkapellmeister Thomas Berning das Pontifikalamt. An der Orgel spielte Domorganist Tobias Aehlig.

Sehen Sie hier eine Aufzeichnung des Gottesdienstes auf domradio.de

mittelalterlich kostümierte träger tragen einen vergoldeten Schrein Der vergoldete Schrein mit den Reliquien des heiligen Liborius wurde vor den Bischöfen und dem Allerheiligsten aus dem Dom in einer Prozession herausgetragen. © pdp / Thomas Throenle

Gruppenfoto Beim anschließenden Empfang im Haus Maria Immaculata wurde das neue Buch über den Paderborner Dom von einigen Autoren vorgestellt. © pdp / Lena Reiher

Gruppenfoto Ehrengäste des Empfangs waren Personen, die bei der Ergänzung des Geläutes des Paderborner Domes durch zwei neue Glocken mitgewirkt haben. © pdp / Lena Reiher

Priester und Messdiener um Altar Erzbischof Hans-Josef Becker stand dem Pontifikalamt am Libori-Sonntag vor, das er in Konzelebration mit zahlreichen Bischöfen aus der Weltkirche zelebrierte. © pdp / Thomas Throenle

Nach der Prozession mit dem Allerheiligsten und mit dem Schrein des Bistumspatrons durch die Stadt versammelten sich die Bischöfe im Altarraum des Doms. © pdp / Thomas Throenle

Am Paderborner Rathaus spendete Weihbischof Dr. Dominicus Meier OSB den sakramentalen Segen. Erzbischof Hans-Josef Becker, die bischöflichen Gäste und zahlreiche Gläubige nahmen an der Feier teil. © pdp / Thomas Throenle

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